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Drei Jahre und ein Tag – Gesellen auf der Walz

 

Sie sind stolze Handwerker, mit Sicherheit ein wenig abenteuerlustig und sie nehmen ihren Beruf sehr ernst. Die Rede ist von den heutigen Wandergesellen, die in uralter Tradition für genau drei Jahre und einen Tag, so verlangt es das Regularium, die Beschaulichkeit und Gemütlichkeit des eigenen Zuhause  gegen die Ungewissheit und große Entbehrungen in der Fremde auf der sogenannten Walz tauschen, genau so, wie ihre Vorgänger es schon im Mittelalter taten.

“Die Tippelei”

Die Motivation der “Fremdgeschriebenen“, wie sie sich selbst benennen, liegt in vielen Idealen der Handwerksgesellen, vom Wunsch, Erfahrung im Metier zu sammeln, bis zur Verwirklichung des Traumes von Freiheit und Abenteuer auf der Gesellenwanderung durch Städte und Dörfer, gar fremde Länder. Von Beginn des “zünftigen Reisens” bis ins 19. Jahrhundert hinein galt die Walz als Vorbedingung für die spätere Anerkennung als Meister im entsprechenden Beruf, durch Abgabe des Meisterstücks bei der Zunft. Reisen bildet, sagten sich vermutlich schon früher die jungen Unverheirateten, auch dies war und ist Bedingung für den Antritt der Walz, wenn sie sich die traditionelle Kluft, bestehend aus Schlapphut, Schlaghose, weißem Hemd ohne Kragen, Weste und Jacket, anzogen, um von fremden Menschen zu lernen, in fremden Betrieben nach dem Vorsprechen für geringen Lohn zu wirken und zu schaffen.

Wie viele es im 16. Jahrhundert waren, die als Maurer, Steinmetze, Tischler oder Zimmerleute auf die, auch Tippelei genannte, Gesellenwanderung gingen, ist schwer nachzuprüfen. Ein paar hundert Jahre später, kurz nach der Jahrtausendwende, weiß man von ungefähr 600 bis 800 Wandergesellen in Deutschland, darunter ein Zehntel Frauen, die Müh’ und Last auf sich nehmen, um ihre Wanderbücher mit den Siegelstempeln der verschiedenen Handwerksbetriebe füllen zu lassen, für die sie mehrere Wochen und Monate ernst und gewissenhaft gearbeitet haben. Dass es ihnen während der Wanderjahre nicht gestattet ist, sich ihren Heimatorten zu nähern, nehmen die Gesellen ebenso in Kauf, wie das Reisen zu Fuß und per Anhalter oder das notwendige Erbitten von Wegegeld zur Bestreitung des Lebensunterhaltes.

Die strengen Regeln, an die sich die Reisenden halten müssen, entstammen im Ursprung den Vorgaben der mittelalterlichen Zünfte und entwickelten sich bis in das 20. Jahrhundert hinein zu dem Regelwerk, an das sich immer noch alle in den Schächten organisierten Wandergesellen halten müssen. So darf auch heute noch die Walz nur in besonderen Fällen, wie einer ernsten Erkrankung und dergleichen, vorzeitig beendet werden, wie auch jeder Geselle, der auf die Wanderschaft gehen will, schuldenfrei und kinderlos sein muss.

Wenn die entbehrungsreiche Zeit der Wanderschaft zu Ende geht und die organisierten Gesellen ebenso, wie die Freireisenden oder Wilden, den Bannkreis um ihre Heimatorte wieder durchwandern dürfen, um sich einheimisch zu melden, ist dies, nach dem Überklettern des Ortsschildes, stets Anlass genug, das Wiedersehen mit Freunden und Verwandten gebührend zu feiern.